Wir machen Sie süchtig…mit nur einem Klick.

Gefangen in der Feedbackschleife

Es lässt sich mit Recht behaupten, dass Mark Zuckerberg großen Erfolg hatte, doch den Preis zahlen 2,07 Milliarden Nutzern. Studien zufolge hat der Durchschnittsnutzer inzwischen täglich mehr als 2000 Interaktionen mit seinem Smartphone; Drücken, Tippen, Wischen, Liebkosen. Aus Gründen wie diesen formiert sich momentan ausgerechnet im Silicon Valley eine kleine, aber lautstarke und schnell wachsende Bewegung von Technikverweigerern. Neu ist, dass sie ihre Mitglieder nicht aus den üblichen besorgten Pädagogen rekrutiert. Stattdessen versammeln sich hier Industrie-Veteranen, die früher selbst bei Facebook oder Google gearbeitet haben.

Heutzutage programmieren sie Achtsamkeits-Websites und geben Tipps für den kalten Entzug. Sie installieren Apps auf ihren Telefonen und Computern, die eigentlich für die elterliche Überwachung von Kindern gedacht sind. Im Angesicht der vermeintlich übermächtigen Technik traut man sich offensichtlich selbst nicht mehr. Wer es sich leisten kann, lagert seine komplette Social-Media-Kommunikation komplett an eine externe Agentur aus.

Ihre Software haben die Entwickler übrigens auf den Namen Skinner getauft. Eine Anspielung auf den amerikanischen Psychologen B. F. Skinner, der in Tierversuchen zur Verhaltenskonditionierung durch simple Belohnungen geforscht hat. Er hatte außerdem die Vision, dass auch die Menschheit durch die Konditionierung in einer utopischen Gesellschaft leben könnte. An die Dopamin-Dealer aus dem Silicon Valley hatte er dabei wohl eher nicht gedacht.

Direktlink zum Beitrag in der SZ