Wie sich Personenzentrierung in der Pflege realisieren lässt.

Das Konzept der Personenzentrierung findet in vielen unterschiedlichen Bereichen Anwendung. Auch in der Altenpflege spielt Personenzentrierung eine immer größere Rolle. Personenzentrierte Ansätze können Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Das Hamburger Magazien „Südring Aktuell“ hat mich zu diesem Thema interviewt.

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Deutsche leiden unter einer kollektiven Bequemlichkeitsverblödung

Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein. Europa droht im Streit über die Bewältigung der Flüchtlingskrise auseinander zu brechen, der internationale Terrorismus nimmt immer bedrohlichere Züge an und der Kalte Krieg meldet sich offenbar zurück.

Diese Bedrohungsszenarien führten dem Magdeburger Politikwissenschaftler Thomas Kliche zufolge in Deutschland zu einem „Globalisierungsschock“, der uns zwinge, eigene Ansichten zu hinterfragen.

Laut Kliche sehen wir uns angesichts einer zunehmend vernetzten und wechselseitig abhängigen Welt mit neuen Realitäten konfrontiert, die uns dazu nötigen würden, bisher Geglaubtes auf den Prüfstand zu stellen, heißt es in dem Bericht. Dies sei schmerzhaft und unbequem. Neben diesem „Globalisierungsschock“ leide die Gesellschaft hierzulande zudem an einer „kollektiven Bequemlichkeitsverblödung“, diagnostiziert der Experte für Politikpsychologie, diagnostiziert der Experte für Politikpsychologie am 25.02.2016 gegenüber der Zeitung  “Focus”.

Weiter unten steht dann:

„Wenn man lieber dreimal im Jahr Urlaub mache oder Dschungelcamp schaue, anstatt sich mit den simpelsten Grundlagen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu beschäftigen, sei es um die Demokratie nicht besonders gut bestellt, meint Kliche. “Die Forschung spricht schon von einer Spät- oder Untergangsphase der Demokratie”, zitiert die “Mitteldeutsche Zeitung” den Professor für Bildungsmanagement.“

Eine Antwort darauf viel folgendermaßen aus:

„Das sagen viele schon lange. “Brot und Spiele” in den Massenmedien wie Fernsehen, Facebook, Handys. Der Europäer hat verlernt selbst zu denken und sich seine eigene Meinung zu bilden. Er hört etwas, liest etwas, setzt es zusammen und schon ist die Meinung fertig. Tiefer zu schürfen um das was er “gelernt und gelesen hat” zu begründen und Fehler zu beseitigen, sind einfach zu viel verlangt. So kommen dann Meinungen und Meinungsäußerungen zu Stande, die fernab jeglicher Logik liegen.

Brot und Spiele

Kliche: Grundsätzlich bedeutet so etwas für eine Gesellschaft natürlich viel Stress, auf den die Menschen auf unterschiedliche Weise und unterschiedlich schnell reagieren. Es gibt aber drei grundlegende Muster. Die einen Menschen wollen aktiv werden, die Probleme anpacken und bewältigen – etwa bei der Unterstützung von Flüchtlingen. Andere greifen auf einfache und billige Erklärungsmuster zurück. Und die dritte Gruppe leugnet einfach den Veränderungsbedarf und gaukelt sich vor, dass letztlich alles beim Alten bleibt. Das funktioniert natürlich nicht.

Interview mit Thomas Kliche zum Thema „Globalisierungsschock“

Das Salutogenese-Modell von Antonovsky

Salutogenese
(Ursachen von Gesundheit) neues Paradigma / ressourcenorientiert
Pathogenese
(Ursachen von Krankheit) bisheriges Paradigma / defizitorientiert
Antonovsky: Es ist eine Illusion, alle Ursachen von Krankheiten erkennen u. damit verhindern zu wollen. Leben bedeutet im Ungleichgewicht sein, denn auch Krankheit und Tod gehören zum Leben.
Beim Modell der Pathogenese werden die Gesunden ausgeblendet. Genau diese interessieren aber im Modell der Salutogenese.

  • Wie schaffen sie es, gesund zu bleiben?
  • Welche Ressourcen haben sie?
  • Wie gehen sie (anders) mit Belastungen um, so dass sie gesund bleiben?
Salutogenese als Theorie der Gesundheit
Es gibt nicht nur zwei Zustände (gesund/krank), sondern ein Kontinuum von Gesundheit und Krankheit
; d.h. kranke Menschen sind immer auch mehr oder weniger gesund. Interessant ist bei der Salutogenese nicht in erster Linie die Entstehung einer Krankheit, sondern die gesamte Lebensgeschichte eines Menschen.
Es wird nach den Faktoren gefragt, die eine bestimmte Position auf dem Gesundheitskontinuum erhalten oder in Richtung Gesundheit bewegen können. Welche Ressourcen stehen einer Person bei der Bewältigung von Stressoren zur Verfügung ?
Stressoren sind allgegenwärtig und damit nicht vermeidbar. Sie müssen nicht krankmachend sein, sondern können genauso gut gesundheitsförderlich sein (Hochzeit,erstes Baby). Ob Anforderungen zu Stressoren werden, ist sowohl abhängig von ihrer subjektiven Bedeutung für eine Person als auch von der Verfügbarkeit von Ressourcen.
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        Antonovsky unterscheidet drei Arten von Stressoren:
        1) chronische Stressoren
        2) größere Lebensereignisse
        3) daily hassles (alltägliche Ärgernisse)
All diese Stressoren erzeugen einen Spannungszustand, d.h. emotionale und physiologische Erregung. Dieser Spannungszustand kann sich auf die Gesundheit sowohl positiv als auch negativ auswirken.
Bei der Frage, wie eine Person die Spannung bewältigt, ist entscheidend, auf welche generalisierten Widerstandsressourcen (intaktes Immunsystem, Geld, Wissen, Intelligenz, Flexibilität, Voraussicht, soziale Netzwerke, Glaube) sie zurückgreifen kann.

Resilienz -oder- Was Menschen zu Stehaufmännchen macht.

Viele Menschen lassen sich von kleinen Misserfolgen aus der Bahn werfen. Andere überstehen auch große Krisen mühelos. Psychologen vergleichen das Phänomen der Resilienz mit einem Stehaufmännchen.

Es gibt Menschen, die nichts aus der Bahn zu werfen scheint. Sie verzweifeln nicht an ihrem Schicksal, sondern wachsen sogar daran. Was unterscheidet diese Menschen von denjenigen, die mit Schicksalsschlägen hadern und manchmal sogar daran zerbrechen? Das Zauberwort lautet Resilienz: Manche Menschen sind immun gegen Angriffe von außen. Haben solche Stehaufmännchen einfach Glück gehabt, weil ihnen diese hilfreiche Fähigkeit in die Wiege gelegt wurde, oder kann jeder lernen, resilient zu sein?

Die seelische Elastizität

„Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt.“ Was der Schriftsteller Albert Camus so poetisch ausdrückte, hat von der Psychologie einen technischen Namen bekommen: Resilienz, ein Begriff aus der Werkstoffphysik. Hier gelten Materialen als resilient, die nach Momenten der extremen Spannung wieder in ihren Ursprungszustand zurückkehren, wie etwa Gummi.

Bei Menschen funktioniert das Prinzip ähnlich: Resiliente Menschen besitzen eine seelisch hohe Widerstandskraft und Beweglichkeit und sind deswegen psychisch immun gegen die Angriffe des Schicksals. Diese Stehauf-Menschen erholen sich nicht nur erstaunlich schnell von extremen Stresssituationen, sondern gehen ganz im Sinne Camus‘ sogar gestärkt aus ihnen hervor.

Weiterführende Links

DRZ Uni-Mainz

Die Kraft aus dem Inneren – Wie Resilienz funktioniert und wie man sie erlernen kann